Paier

über Klaus Paier:
Klaus Paier „Aachener Wandmaler“ (1945 – 2009)

Klaus Paier wurde am 08.09.1945 in Essen geboren. Schon als Kind malte er ständig und entwickelte seinen Zeichenstil. Nach der Schule absolvierte er eine Schlosserlehre. Anschließend besuchte Klaus Paier das Ruhr-Kolleg in Essen und machte dort sein Abitur. Ab 1976 war er Physikstudent an der RWTH Aachen und wurde dort Diplomphysiker. Seit 1978 war Paier unterwegs, um Graffiti auf Betonwände in der Aachener Innenstadt, auf dem Gelände der RWTH und an besetzte Häuser zu malen. Durch sein Studium wurden ihm das Risiko und die Gefährlichkeit der Atomkraft bewusst und er dokumentierte dies in seinen Bildern. In eindringlicher Form prangerten seine bunten Bilder Wohnungsspekulanten, Faschismus, Rüstungspolitik oder die Unmenschlichkeit des Bildungssystems an. Klaus Paier benutzte noch keine Spraydosen. Nachts malte er die Text-Bild-Werke, die vorher als Skizze entworfen wurden, zunächst als Kontur und in der zweiten Nacht wurden diese farbig ausgearbeitet. Paier wählte bewusst Themen und Orte im öffentlichen Raum, die zum Nachdenken anregen sollten. Zunächst arbeitete er anonym und sagte einmal: „Ich will an die Wand bringen, was mir Lust und Angst macht“.

Fast alle seiner ungefähr 100 Kunstwerke sind durch Vernichtung, Übermalung, Zerfall oder bauliche Veränderungen nicht mehr vorhanden. Jahrelang ließen die Verantwortlichen der Stadt Aachen seine Wandbilder wegätzen.

1983 wurde sein „Bunkerbild“ zerstört, das an die Ermordung der Kinder, Karl Schwartz und Johann Herren, im September 1944 erinnern sollte, die durch Soldaten der Windhunddivision ermordet wurden. Angeblich sollten sie geplündert haben. Der Aachener Stadtrat beschloss später, die noch existierenden Wandbilder nicht mehr zu vernichten.
1989 wurde Klaus Paier vom Neuen Aachener Kunstverein der Neue Preis verliehen. Da war Paier bereits nach Köln gezogen. Hier sorgte er mit seinem Wandbilderzyklus „Südafrika brennt“ für Aufsehen. Er griff darin die blutige Apartheitspolitik auf. Das geplante Entfernen eines seiner Gemälde in der Elsaßstraße, in der Kölner Südstadt auf Veranlassung in der Kölner–Anti–Spray-Aktion führte zu einer Welle der Empörung. In Köln wurde er Dozent an der VHS und entwickelte die Idee zu dem Biogarten „Thurner Hof“.
Klaus Paier starb im Juli 2009 in Köln.

Auf Initiative des ehemaligen Oberbürgermeister der Stadt Aachen, Kurt Malangré, wurde das Graffito „Liebespaar“, im Garten des Café Kittel, Pontstraße, Aachen unter Denkmalschutz gestellt. Die Möglichkeiten einer Unterschutzstellung für die verbliebenen Werke Paiers werden noch überprüft.

(Text und Foto: Regina und Dieter Weinkauf)

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